Wer sich jetzt fragt "ja wie hart sind die denn drauf?!" der sei beruhigt: lag alles daran, dass ich verplant habe, dass die ja Montag ankommen. Hatte irgendwie Sonntag in den Kalender geschrieben. Das hatte zur Folge, das bereits gekaufte Shinkansentickets umgetauscht werden mussten (auf Japanaisch, natürlich >_<), und nachdem der Flug dann auch noch fast 'ne Stunde Verspätung hatte, blieb nicht so viel anderes übrig, mit dem ganzen Gepäck direkt zum Hauptbahnhof Tokyo zu fahren...
Immerhin habe ich endlich mal Fujisan gesehen. Aus dem Zugfenster. Und obwohl ich gar nicht so viel sehen konnte (war auf der anderen Seite des Zuges) wirkte dat Dingens echt eindrucksvoll. Muss da noch hoch, unbedingt!
Naja, in Nara in der Jugendherberge gepennt, den Vater mit einem Japanischen Bad (Ofuro) beeindruckt, ein paar Tempel und Schreine gesehen, und interessantes über die Geschichte Naras gelernt. War die erste offizielle Hauptstadt Japans (wusste ich schon), allerdings nur für 75 Jahre (wusste ich auch schon). Der Grund dafür: einem Shintopriester gelang es, die Kaiserin zu verführen (oder eine Tochter, habe ich leider schon wieder vergessen), und naja, der Kaiser hatte da keinen Bock drauf und hat einfach mal die Hauptstadt verlegt. Lockere Sache.
Naja, man kann die Dame aber verstehen, die Schreine der Geistlichen machen ja auch was her:
Viele der Sehenswürdigkeiten in Nara liegen in einem Park, in dem einiges an (zahmen) Rotwild lebt. Das wurde meiner Karte zum Verhängnis. Viech kam an, schnupperte - ooch, wie süß - und biss zu. Zack, Karte entzwei. Hätte ich ein Gewehr dabeigehabt, hätte ich bereits Mittags Abendessen gemacht.
Im Gegensatz dazu meine Schester (die heißt übrigens Miri, weiß' das jemand noch nicht?), die hat Angst vor den Tieren bekommen und ist immer weggelaufen, wenn wieder welche ankamen.
Abends sind wir dann nach Kyoto zurück und haben noch einen kurzen Abstecher nach Gion gemacht. Ich habe Geisha (oder Maiko, weiß net so genau) gesehen, meine Begleitung war dagegen mit Blindheit geschlagen - bzw. wusste nicht, was Geishas sind ("Hm, ooch jaa, hab' ich glaube mal was 'von gehört"). Ich habe die beiden dann in ein leckeres Restaurant geführt, wo es Okonomiyaki gab (so was zwischen Pizza und Pfannkuchen, auf Japanisch - habe ich glaube ich schon mal irgendwo beschrieben, ansonsten mal hier klicken). Kam bei der Familie irgendwie nicht so gut an - und um alles noch schlimmer zu machen hat meine Schester dann beim Essen, als ich über Nattou erzählte (hier klicken, da habe ich ja auch schon mal was zu geschrieben - wer bitte isst denn verrottete Sojabohnen?!) "Natter" verstanden - und weigerte sich dann, weiterzuessen. Zitat: "Deine Natter hat mir den Rest gegeben". Und mein Papa guckte so komisch, als (halb!-) rohes Ei aus der Teigtasche floß. Japanisches Essen, du hast verschissen! Wartet nur, bis ich vom Sushierlebnis erzähle (weiter unten)! Aber erst mal weiter im Text. Spätabends dann nochmal ins Ofuro der Jugendherberge gehopst, was dann auch vernünftige Temperaturen hatte, im Gegensatz zu dem am ersten Tag. Leider hat es der Vadder bei den Temperaturen net so lange ausgehalten und stieg ziemlich bald wieder aus. Besser so, sonst wäre schon wieder jemand umgekippt.
Das Frühstück am nächsten Morgen war dann Klasse. Denn es gab nur ein Thema: Das Abendessen vom Vortag! Zitat Schwester beim Versuch, ihr Toastbrot zu essen: "Ooch man, ich habe immer nur Eiergeschmack und Nattergeschmack im Mund".
Mein Vater war so neben der Kappe, dass er sich statt Milch die (auch weiße) Salatsoße in den Kaffee goß. Als er dann den Salat ohne Soße gegessen hat, frage ich wieso. Zitat: "Ich vertrage am Morgen keine Salatsoße - deshalb habe ich keine genommen." Jaja, aber vorher in den Kaffee schütten...
Naja, dann war erst mal ultrahartes Main-Attraction-Seeing angesagt, wie gut, dass ich immer wusste, wo es langgeht (das hat nämlich viel Zeit gespart). Auf die einzelnen Stationen gehe ich jetzt nicht so genau ein, man schrieb ja schon mal einen Kyoto-Eintrag.
Ich musste ja ein paarmal echt an mich halten, um nicht laut loszulachen. Da war nähmlich die Sache mit den Klos (das hat jetzt nichts mit Klößen zu tun, ich meine hier den Plural von "Klo", Hochdeutsch auch "Toilette"). Ich habe, glaube ich, schon mal was darüber geschrieben; die Japanischen Toiletten sind längliche Löcher im Boden, über die man sich drüberhockt und dann hofft zu treffen. Braucht ein bisschen Übung, ist aber sehr hygienisch. Naja, und eben in Japan in den öffentlichen Einrichtungen sehr verbreitet. Blöd dann, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist und sich weigert, eine ebensolches Klo zu benutzen. Zitat Schwester, bierernste Miene (nachdem ich derbe grinsen musste): "Ich find's jetzt echt nicht so lustig!"
Aber Respekt, sie hat es bis zum bitteren Ende durchgehalten. Das könnte man jetzt auch falsch verstehen, muss man aber (zum Glück) nicht.
Nun ja, zurück in Tokyo musste ich dann wieder arbeiten, während sich Pa und Schwesterli Tokyo angeschaut haben. Wie intensiv das war und für welche Dinge der besondere Blick da war, habe ich direkt am ersten Abend erfahren müssen, nachdem ich von der Arbeit kam. Ich betrete das Zimmer und stelle verwundert fest "Das riecht ja so komisch nach Bier hier". Von hinten albernes Kichern. Und dann zieht Schester leere Bierdosen aus einer Tüte, "Wir mussten doch was trinken heute Mittag und wollten das Japanische Bier probieren". Oh Gott!
Was das Japanische Bier so alles mit dem Schädel anstellen kann wurde Sonntag Morgen ausprobiert. Wir sind früh aufgestanden um nach Nikko zu fahren, eine Dorf im Norden Tokyos, in den Bergen, mit beeindrucken Tempeln (da liegt der erste Shogun begraben). Am Abend vorher hatten wir ein bisschen Bier gekauft, um beim Siedlerspielen keine trockene Kehle zu haben (die Siedlerstatistik: zwei mal gewonnen, aus vier Spielen. Naaja, klappt halt nicht immer). Naja, an diesem Abend begann mein Vater auf jeden Fall, auf einem imaginären Saxophon zu einem von mir programmierten Beat zu spielen. Und am nächsten Morgen tat der Kopf weh. Meiner Schwester auch. Dabei waren's nur zwei Bier oder so...
Vor dem Biertrinken wurde übrigens noch Sushi gegessen. Mit mäßigem Erfolg, milde ausgedrückt. Papa hat genau dreieinhalb Stücke runterbekommen (anderthalb mal mit tamago (Omlette/Ei), einmal mit maguro (Thunfisch) und ein maki (die Nori-Rollen, mit einem Fisch drinnen, den ich nicht kenne). Naja, meine Schwester hat sich besser geschlagen und am Ende sogar todesmutig versucht ein einzelnes Fischei zu essen. Ihr könnt ja mal raten, wer die ganzen exotischeren Sachen essen durfte...
Nikko war echt gut. Sehr beeindruckende Gebäude, unglaublich detailreich verziert. Das Tor zu dem Tempel, in dem auch Mr. Shogun begragen ist gehört zu den eindrucksvollsten Dingen, die ich hier in Japan hier gesehen habe.
Aus Angst davor, das Tor "perfekt" zu gestalten und damit den Zorn der Götter auf sich zu ziehen, wurde die letzte Säule "versehentlich" falsch herum eingebaut. Hier ein Bild einer der Schnitzereien, die sich über jegliche freie Fläche des Tores ziehen:
Hier konnte ich auch mal gute Fotos von den Statuen machen, die immer an Tempeleingängen rechts und links vom Tor stehen und aufpassen, dass kein böser Bube reinkommt. Hier in Nikko waren die alle schön angemalt, da sahen sie noch furchterregender aus. Der folgende ist knallrot. Könnte glatt ein Endgegner aus einem Computerspiel sein.
Irgendwann habe ich auch Schwesterli und Vadder dazu bekommen, "echt Japanich" zu posen:
Montag war dann Geburtstag der Schwester. Nach meiner Arbeit sind wir direkt nach Odaiba gefahren und haben uns Rainbowbridge mitsamt beleuchteter Tokyo-Skyline angeschaut. Und lecker gegessen. Diesmal hat es auch allen geschmeckt, lag vielleicht daran, dass es eher Thailändisch war oder so.
Dienstag war dann packen angesagt, und nach einer Abschlussrunde Siedler sind wir ins Bett... und seit heute morgen bin ich wieder alleine hier. Nicht für lange allerdings, am nächsten Samstag gehts weiter mit dem Besuch...
Ja, und natürlich, ich war mit der Schwester beim Karaoke... und habe ein Video gemacht. Für alle, die sich es antun wollen: hier klicken. Und lachen.
Ach ja, zum Abschluss noch ein Zitat meines Vaters, nochmal zum Thema Japanisches Essen (Ei im Hamburger), vorgebracht mit Leidensmiene: "Das war irgendwie nicht so deutsch". Da hat er es mal wieder auf den Punkt gebracht...
2 Comments:
ich meine sogar, wir hätten 5 mal Siedler gespielt und du hast einen Sieg von dir unterschlagen (bin halt ehrlich). Sind vor ca. einer halben Std. angekommen. Dein Geschenk ist absolut supidupi, ich freu mich riesig und käme nicht im Traum auf die Idee, das umtauschen zu wollen.
Grüße von mir und dem Rest der Familie (von Basti doppelt).
Das Schwesterli
so hier der Beweis dass ich lese:
uhhh schickes Video, wir haben gestern auch karaoke gesungen, sehr witzig... lg
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