22 Januar 2007

Der hohe Besuch aus Deutschland...

ist wieder abgereist. Sorry, dass ich so lange nichts habe von mir hören lassen, aber da so ein Blogeintrag ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt... Neben dem denken und schreiben (ja, auch wenn es nicht so scheint - ich gebe mir Mühe, erst mal über das was ich da eigentlich schreiben will nachzudenken) muss man da ja noch Fotos auswählen und hochladen. Und dann mit der Technik kämpfen, weil es einfach nicht funktionieren will... jaja. Das alles wollte ich dem Hagen (hier zu sehen vor dem Daibutsu ("großer Buddha") in Kamakura)

nicht zumuten, zumal der ja eh immer so lange geschlafen hat, dass vom Tag fast gar nichts mehr übrig war ;)

Also, wo fange ich an (soviel zu der Aussage, dass ich vor dem Schreiben nachdenke)? Am besten am Anfang, also letzem... nein, halt, ist ja schon länger her, vorletzter Mittwoch also. Da bin ich morgens um sieben (an alle, die mich besuchen kommen: bucht gefälligst einen Flug, der irgendwann spät Nachmittags hier ankommt) nach Narita gefahren, wo sich der Flughafen befindet. Man braucht gute zweieinhalb Stunden von meinem Haus bis dorthin, daher war ich so früh dran. Zum Glück hatte Hagen's Flieger keine Verspätung, so konnten wir uns dann auch bald auf den Rückweg zu meinem Haus machen. Wir haben noch in einem netten Japanischen Schnellrestaurant gegessen (wo mich ein wahlloser Franzose angequatscht hat, der irgendwie einen Hass auf alle Ausländer in Japan hatte - nur er selber wäre wohl bereit, die "Japanische Kultur vollständig in sich aufzunehmen" oder so); aber nachdem Hagen dann währen dem Essen nahezu eingepennt ist, habe ich alle Pläne, an diesem Tag noch ein bisschen was von meiner Wohnumgebung zu zeigen aufgegeben.
Das haben wir dann am nächsten Tag nachgeholt, und ich habe mir bei der Gelegenheit einen schicken gebrauchten Reiskocher für 1500 Yen (~12 Euro) gekauft, der sogar funktioniert. Bloß die Timerfunktion beherrsche ich noch nicht, weil ja alles auf Japanisch ist. Muss da mal irgend' nen Freund anhauen, wenn mal einer vorbeikommen sollte... denn die Timerfunktion ist wichtig, falls man mal Reis zum Frühstück machen sollte - oder frische Onigiris für den Tag.
Bei unserem Bummel ist ein Foto von der nahegelegenen Einkaufsstraße bei Oyama (Nachbarviertel von Nakaitabashi) entstanden, dass ich euch nicht vorenthalten möchte. Entlang dieser, offensichtlich überdachten Straße hat es lauter typische kleine Japanische Geschäfte. Anstelle großen deutschen Supermärkte hat es in Japan eher kleine, gemütliche und vor allem spezialisierte Geschäfte.
Ein interessanteres Foto ist aber wahrscheinlich eines von der ersten Bäckerei, die ich hier in Japan gefunden habe. Trotz des schönen deutschen Namens gibt es da leider kein leckeres deutsches Brot (bzw. Brot deutscher Art) sondern nur typisches Japanisches Weißbrot, von dem man leider nicht satt wird:Später an diesem Tag sind wir noch nach Shinjuku gefahren, haben das Rathaus, einen ersten Tempel und Kabukicho, ein Vernügungsviertel (bei vielen heißt es auch: das Vergnügungsviertel) angeschaut. Weil es schon dämmerte, hat man von dem 43. Besucherstock im Rathaus (mag sein, dass das Stockwerk ein anderes ist - ist auf jeden Fall >= 40) einen schönen Blick gehabt:Am folgenden Freitag haben wir uns dann Abends nach Odaiba aufgemacht, um uns dort die Rainbow Bridge, Palette Town/Fort Venus (eine Einkaufspromenade, die in südeuropäischem Stil gehalten ist - echt sehenswert, vor allem der tolle beleuchtete Kitschhimmel. Klar, so sieht es bei uns in Europa aus)und das berühmte Riesenrad dort angeschaut (wenn es nicht mehr so kalt ist, will ich mal damit fahren). Anschließend sind wir pflichtgemäß nach Shibuya aufgebrochen, um im (mittlerweile einschlägig bekannten) Womb Frank Müller anzuhören - ha, schon wieder ein Deutscher DJ in Tokyo! Es kam aber noch besser: wir gehen zu den Schließfächern, um die Jacken und Pullis wegzupacken, da macht mich Hagen auf folgendes Schild aufmerksam:Wie man sehen kann, ist die Deutsche Kultur elektronischer Musik auch in Japan bestens bekannt und beliebt - und Frankfurt als einer der größten Standorte der Szene eben auch. Alle nach Frankfurt in den Cocoon ;)
Da verwundert es dann auch nicht weiter, dass im kommenden Monat jede Woche ein anderer deutscher Act/DJ im Womb zu Gast ist. Da kommen dunkle Zeiten auf meinen Geldbeutel zu! Eventuell sollte ich mir überlegen, einen Womb-Membership-Antrag zu stellen, dann kann man sich stylisch per Fingerabdrucksensor an der Türe identifizieren lassen und zahlt 1000 Yen (~7 Euro) weniger für den Abend.
Nach geruhsamen Samstag haben wir es dann Sonntag doch tatsächlich geschafft, jemanden für eine Partie Siedler zu gewinnen: Shota, der Kyoto-Jugendherbergsbelegende Vielradler hatte seine Schwester mitgebracht und nach erster Partie erst mal zum Essen ausgeführt (Hagen machte das Foto, daher ist er nicht mit drauf) Tut mir echt leid, dass ich so bescheuert grinse, ging wohl nicht anders nachdem man auch in Japan nach der ersten Partie klargemacht hatte, wer der Siedler-König ist (während ich dies schreibe, schleicht sich doch schon wieder dieses Grinsen auf mein Gesicht - ich denke da an gewisse Runden im Kreise meiner Familie oder in Bonn im guten Spleen (lecker dunkles, starkes Hefe). Naja, auch die zweite Runde an diesem Abend in Japan ging wieder an mich. Ich glaube, das liegt einfach daran, dass ich mittlerweile bösartigen Spieleentzug habe. Um dem entgegenzuwirken hatte ich Hagen ja auch gebeten, Siedler mitzubringen.
In der folgenden Woche haben wir dann noch verschiedene Locations in Tokyo besucht, alles Sehenswerte halt. Erwähnenswert hierbei das Sony-Gebäude in der Ginza, wo man die neusten technischen Entwicklungen von Sony ausprobieren kann. Und ich muss sagen, die HDTV-Fernseher haben mich schon überzeugt (mag auch daran gelegen haben, dass auf dem einen Star Wars - Episode III lief, mit einem gemütlichen Sessel davor, so dass ich mir erst mal einen Teil des Duells Anakin - Obi Wan reingezogen habe. Das der Hagen Star Wars verabscheut, habe ich erst im Nachhinnein erfahren, ehrlich). Weiterhin sehr nett war der Ausflug nach Kamakura, wo ihr ja schon das Hagen/Daibutsu-Bild gesehen habt. Der ist übrigens 12 Meter hoch und 93 Tonnen schwer, aus Bronze. Den Daibutsu meine ich jetzt. Der Hagen ist zwar auch groß, aber 93 Tonnen bringt der dann doch nicht auf die Wage.
Es ist übrigens ganz interessant, dass der Daibutsu früher mal in einem Tempel gestanden hat. Doch dann kam ein Tsunami und der Tempel war plötzlich weg. In Anbetracht der Tatsache, wie weit der Daibitsu vom Ufer weg steht, bekam ich dann plötzlich ein bisschen Angst...
Abgefahrenste Sache in Kamakura war aber sicherlich der Zeniarai Benten, der laut Reiseführer zu den "eher ungewöhnlichen Schreinen Japans" gehört. Ja, so kann man das auch ausdrücken. Denn der Schrein ist nichts anderes als eine Geldwaschstelle. Illegal? Yakuza? Hah, von wegen. Das ist wörtlich zu nehmen. Man steckt sein Geld in Weidenkörbe und lässt das Tempelwasser drüberlaufen. Nur Münzen? Hah, nochmal von wegen. Hier werden die Banknoten knallhart und erbarmungslos dem kalten Wasser preisgegeben. Warum? Bringt wohl Erfolg, mit dem so gesegneten Geld Geschäfte abzuschließen. Ausserdem soll sich das Geld so angeblich vermehren. Nachdem ich das Ganze erst für eine ziemlich bescheuerte Idee gehalten hatte, hat der Hagen dann plötzlich gefragt, "Wollen wir nicht auch?" Ich habe kurz gelacht, "Hah", und dann mein Geld eifrig in den Korb gelegt. Nur nicht zimperlich sein. Auch mein 5000er musste dran glauben - wenn schon, denn schon. Hab' also mein gesamtes Bargeld gewaschen. Hier der Beweis: War halt ein bisschen blöd, das nasse Geld dann wieder in die Tasche zu stecken. Hab deswegen versucht, das Geld in dem Rauch von einem Räucherbecken zu trocknen. Ging aber nicht so gut, gab nur ein lustiges Foto: Ich habe das Geld dann eben in der Hand gehalten, beim weiterlaufen. Leider war es bitterkalt, nach kurzer Zeit waren meine Hände total abgefrohren. Habe das Geld dann in allen verfügbaren Taschen verteilt. Weil es aber so kalt war, ist es bis zur Heimfahrt einfach nicht trocken geworden. Musste dann einen nassen Schein in den Fahrkartenautomaten stecken, der den aber überraschenderweise genommen hat. Das hat mich doch sehr von den Japanischen Automaten überzeugt, dass ich direkt ein Foto davon machen musste. Der Automat, der meinen nassen Schein annahm: Nächste erwähnenswerte Aktion war dann vermutlich das Ausgehen am Samstag Abend, Hagen's letzem Tag hier in Japan. Ich hatte es zum Glück nocheinmal geschafft, jemanden zum Abhängen zu organisieren. So sind wir zu Yuki gefahren, und haben auch bald angefangen, Siedler zu spielen. Und dabei zu trinken. War keine gute Idee. Das mit dem Trinken. Wie man an dem folgenden Foto erkennen kann, ist auch euch der Yuki einschlägig bekannt, aus gewissen Videos, gell (ganz links, der Kerl):Naja, wenn man mit dem weggeht, endet man immer ziemlich fertig... meißtens jedenfalls. Ging mir an diesem Abend jedenfalls wieder so. Hielt mich allerdings nicht davon ab, die drei Runden Siedler zu gewinnen (HAH!). Vermutlich war es auch eher die dann noch folgende Stunde Karaoke, die mir den Rest gab.
Hab mich am nächsten Tag jedenfalls so übel gefühlt, dass ich den Hagen gar nicht richtig verabschieden konnte, was mir aufrichtig leid tut (also um erhlich zu sein war das sozusagen noch gar nicht der nächste Tag. Wir sind zu mir nach Hause gekommen, Hagen hat seine Taschen gepackt (während ich erst auf dem Boden und dann mit dem Kopf auf meinem geliebten weißen Mac eingeschlafen bin, zum Glück hat der Hagen kein Foto gemacht, Hah!) und ist ab zum Flughafen. Erst dann bin ich richtig ins Bett). Ich hoffe, du bist gut in Deutschland angekommen, Hagen!
Auf jeden Fall führten Kopfschmerzen dann dazu, dass ich mich gestern nicht, wie eigentlich geplant mit Physik auseinandersetzen konnte. Der heutige erste Tag in meiner Arbeitsgruppe verlief aber trozdem gut. Ich werde die Woche auf jeden Fall nochmal was hier reinschreiben, dann mit Fotos von den Gebäuden der Todai (kurz für Tokyo Daigaku, Universität von Tokyo) und von meinem Arbeitsplatz (und vielleicht auch von Paddy, dem Postdoc, der mich hier betreut). Dann werde ich auch nochmal ein Video auf der Photobucket-Seite hochladen, dass zeigt, wie lustig es bei Hagen und mir war :)

Bis dann also!

Weil die Photos schon wieder nicht größer werden, wenn man drauf klickt, wird das alles auch auf der Photobucket-Seite stehen!

5 Comments:

Anonymous Anonym said...

heißa hopsa,
was hat denn dein Club für Wucherpreise?! Wenn man als Mitglied 7 Euro weniger bezahlt, muss der Normalpreis ja extrem hoch sein!
Mit dem Riesenrad darfst du auch gern auf mich warten...
Grüßle,
Miri

21:22  
Anonymous Anonym said...

uh, sehr humoristischer blog-eintrag! hab mich stellenweise bepisst vor lachen!
das mit dem siedler-gewinnen muß dir aber irgendwann irgenwer mal austreiben! kann ja nicht sein, daß du da wirklich IMMER gewinnst!

...hab von hagen noch gar nichts gehört... vielleicht sitzt er ja noch in tokyo am flughafen oder liegt da irgendwo im krankenhaus... haaaaaagen, melde dich!

2,5h vom fluhafen zu dir!? woa! da bin ich ja zweimal von bonn zum frankfuter flughafen gefahren! oder mal kurz nach berlin oder münchen... hammerhart...

ugh, dein blog-eintrag war so lang, hab schon wieder die hälfte vergessen - was wollt ich denn noch kommenteiren? hm... naja, sag ich dir dann in tokyo :D
heh, bei dem smiley fällt mir doch wieder dein bericht über dein siedler-sieger-grinsen ein! hehe, unglaublich gut!

achja, und ich muß hagen für seinen langen schlaf loben!

17:14  
Anonymous Anonym said...

danke für das lob, gerhard ^^. ich bin gut in deutschland angekommen und genieße deutsches bier und deutsches brot :D

17:26  
Blogger MastaShift said...

AAAAARRRRGGGHHHH, ich will deutsches Brot!!!

00:28  
Anonymous Anonym said...

... am 25.2. kommen die Siedler - Gewinneraustreiber, dann gehts so richtig zur Sache..... nanana

10:36  

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