23 Dezember 2006

Dies und Das...

Also, es gibt viel zu Berichten...

Es fängt damit an, dass letzten Samstag das JSP mit der "Closing Ceremony" zuende gegangen ist. Das war eine Art "Graduation Cermeony", wie sie wohl in den USA üblich sind. Die frisch Graduierten bekommen feierlich ihre Abschlusszeugnisse überreicht und werden mit Festreden geradezu überhäuft. Anschließend werden Fotos gemacht und eine kleine Party mit viel Essen organisiert.

So auch hier in Japan. Ich bin mir nicht sicher, ob das so durchgeführt wird weil die Teilnehmer des Programmes hauptsächlich Amerikaner sind oder ob es auch in Japan so üblich ist. Jedenfalls waren die Reden größtenteils ermüdend, vor allem, weil fast alles in Japanisch war und ich so gut wie nichts verstanden habe.
Die Fotosession habe ich dann ebenfalls über mich ergehen lassen müssen. Eine halbe Stunde rumstehen und grinsen, damit jeder Gelegenheit hat, ein Foto zu machen kann ganz schön anstrengend werden.
Dafür war die Slideshow mit Fotos, die während der letzten 4 Monate entstanden sind echt nett anzuschauen. Mir ist in dem Moment bewusst geworden, wie viel von dem, was ich hier bisher erlebt habe schon wieder vergessen war...
Die Party war ebenfalls ziemlich gut. Das Essen war Klasse, und man hatte Gelegenheit, sich ein letztes Mal mit den Japanischlehrerinnen zu unterhalten.(links Hayashi-Sensei, rechts Uno-Sensei). Ausserdem konnte man in aller Ruhe noch einmal Fotos mit diversen Personen machen. Hier bin ich mit Junko, der Japanischen Organisatorin des JSP zu sehen:Abends sind wir dann nochmal gemeinsam weggegangen (Karaoke). War diesmal aber nicht so gut, irgendwie kamen nicht genug Leute zusammen um für richtig Stimmung zu sorgen.
Dafür war das Essengehen am Sonntagabend mit meiner Gastfamilie richtig gut. Wir haben ein shabu-shabu-Restaurant besucht. shabu-shabu ist so etwas wie "Japanisches Fondue". Man bekommt eine Platte mit ultra dünn geschnittenem Fleisch (so ähnlich wie Schinken) und verschiedene Gemüsesorten. Das Gemüse kippt man in einen Topf in der Tischmitte, in dem sich kochendes Wasser befindet. Das Fleisch wird daraufhin mit den Stäbchen durch das Wasser gezogen, bis es gar ist. Das Geräusch des in das Wasser getunkten Fleisches gibt dem Essen seinen Namen: shabu-shabu. Später am Abend, nach dem Essen, habe ich mit Freddy telefoniert (das erste Mal seit einem halben Jahr oder so, hurra) und dabei meinen Rucksack für die Okinawa-Reise gepackt.

Am Montagmorgen ging es dann los zum Flughafen. Der Flieger hatte direkt mal anderthalb Stunden Verspätung, weswegen ich ne ganze Weile am Flughafen abhing. Ich habe dabei eine weitere Feststellung über Japan gemacht: das Toiletten-Putzmittel ist der Wahnsinn. Wenn man nicht gerade in der ultraversifften Kneipe oder am Bahnhof absteigt, sind Japanische (öffentliche) Toiletten verhältnismäßig sauber. Die verwendeten Putzmittel scheint es in den tollsten Geruchsrichtungen (fast hätte ich Geschmacksrichtungen geschrieben) zu geben. Mir sind bisher diverse Fruchtsorten untergekommen oder Blumenduft, aber die Toiletten des Inland-Flughafens Haneda in Tokyo stellten alles bisherige in den Schatten: Es roch eindeutig nach Lebkuchen! Sehr passend zur Weihnachtszeit! Ist allerdings eine Schande, dass die Japaner Lebkuchenduft in der Toilette verbreiten, einem den Kauf selbiger andererseits unmöglich machen. In Japanischen Geschäften habe ich bisher keinen Lebkuchen gefunden! Scheint es hier einfach nicht zu geben... (vielleicht in irgendwelchen speziellen Import-Läden, die man allerdings kennen müssste...)
Beschwingt durch dieses Erlebnis verging die Wartezeit wie im Fluge, und der Flug verging ebenfalls wie im Fluge... oder so.

Okinawa ist Japans südlichste Präfektur und zugleich der Name der Hauptinsel dieser Inselgruppe. Früher war Okinawa ein eigenständiges Königreich mit dem Namen Ryukyu. Bedingt durch die günstige Lage zwischen Japan, Korea und China entwickelte sich Naha, die Hauptstadt, zu einem wichtigen Handelszentrum. Heute ist die Stadt bis auf 300.000 Einwohner angewachsen.Da Ryukyu ein unabhängiges Königreich war, entwickelte sich eine eigene Sprache. Heute wird diese allerdings nur noch von alten Leuten gesprochen, denn 1972, nach der Besetzung durch die USA nach dem zweiten Weltkrieg wurde Okinawa wieder Japan angegliedert (das Ryukyu-Königreich hatte bis 1879 Bestand). Interessant ist allerdings, dass Okinawa von vielen Japanern nicht als "richtiges" Japan angesehen wird. Meine Gastfamilie hatte gewitzelt, dass ich ja ins Ausland fliegen würde. Es ist wohl so ähnlich wie in Deutschland mit Ost und West - die Ostdeutschen sind eben keine "echten" Deutschen ;)

Was lässt sich sonst Interessantes über Okinawa sagen? Die Insel liegt so weit im Süden, dass ein eher tropisches Klima herrscht - Okinawa wird nicht umsonst "Hawaii von Japan" genannt. Ironischerweise lieget Okinawa näher an Taiwan als an Japan - bis zur Taiwanesischen Küste sind es gerade mal 125 Kilometer, während es bis nach Japan rund 500 sind. Azurblaues Wasser, Palmen, Sandstrände vom feinsten - kein Wunder, dass dort im Sommer die Hölle los ist. Im Winter hat es angenehme 20 Grad, daher habe ich bloß einen Pulli eingepackt.

So habe ich mir am ersten Tag die Spuren, welche die Ryukyu-Kultur hinterlassen hat angeschaut. Erste Station war das berühmte Shurijo-Castle, welches auf einem Hügel inmitten Nahas liegt. Überall auf der Insel sind Ruinen weitere Burgen verstreut, die man sich ohne Auto aber nicht anschauen kann. Ich war auf den (schweineteueren) Bus angewiesen, was mich in meiner Bewegungsfreiheit doch ein bisschen eingeschränkt hat. Am Mittwoch bin ich nach Nago gefahren, um von dort aus den Norden der Insel zu erkunden. Übernachtet habe ich in einem Guesthouse, dass sich als eine Art Hippikommune entpuppte. Ein bambusverzierter Schuppen diente als Schlafraum, an den sich eine Küche anschloss. Gegessen wurde unter einem Rondell im Freien neben einer Terasse, die von gemütlichen Hängematten überspannt wurde.
Wie ich auf diesen Ort gekommen bin? Meine Gastmutter war mir beim Planen behilflich und hatte die Internetseite der Unterkunft gefunden. Weil unschlagbar billg (1500 Yen pro Nacht - knappe 10 Euro) zog ich das dem teuren Hotel vor (6000 Yen pro Nacht). Ich hatte allersings keinen blassen Schimmer, wo sich das Guesthouse befand - ich hatte bloß den Namen notiert (ich hätte mir die Karte im Internet ausdrucken sollen, ich weiß). Daher bin ich, in Nago angekommen, in einen Supermarkt und habe die Frau an der Kasse gefragt, ob sie das Haus kennt. Das hatte lawinenartige Folgen. Die Verkäuferin ist zu ihrer Kollegin, diese wiederrum zu einem Kollegen und so weiter, bis ich plötzlich vor dem Ladenbesitzer stand. Dieser stellte mich einem Kunden vor, der mich in sein Auto setzte und mich zum Guesthouse fuhr. Wie sich im Laufe der Fahrt herausstellte, war der Kunde ein Polizeioffizier und mit dem Ladenbesitzer befreundet... und als Polizist ist es seine Aufgabe, den Leuten (damit meinte er wohl verwirrte Touristen wie mich) zu helfen.

An diesem Tag bin ich dann später noch auf eine kleine Insel gewandert und am dortigen Strand abgehangen. Kurz vor Sonnenuntergang ist ein Japaner mit seinem Stier aufgetaucht. Er hat ihn wohl Gassi geführt, am Strand. Ein sehr eigenwilliges Bild, wie ihr zugeben müsst:
Am nächsten Tag hat es leider geregnet, was mich aber nicht davon abgehalten hat, eine Wanderung zu dem Hiji-Wasserfall zu machen, der in der Nähe des beliebten Okuma-Strandes liegt. Der Wasserfall stellte sich aber als nicht so furchtbar spektakulär heraus, der sollte sich mal ein Beispiel am Rheinfall nehmen. Die Natur drumherum war allerdings nett, auch wenn der Regen ein bisschen gestört hat.
Der Okuma-Strand war auch nicht das Wahre, aber vermutlich wird man in Zeiten, in denen einem Regen und Wind ins Gesicht peitschen auch dem schönsten Ort der Welt nur wenig abgewinnen können. Daher bin ich völlig durchweicht in mein Bett in der Kommune zurückgekehrt, um eine Einladung zum Essen von einem Freund meines Gastvaters, der in Nago wohnt zu erhalten. Die habe ich natürlich gerne angenommen, und so ging der Tag mit Sushi und Bier gemütlich zu Ende.
Freitag hatte es zum Glück wieder gutes Wetter, und da mein Flug erst um fünf Uhr Nachmittags ging, habe ich die Gelegenheit genutzt um einen weiteren Strand abzulaufen und ein Selbstauslöserbild aufzunehmen. Wie man an den Füßen sehen kann bin ich sogar ins Wasser gestiegen, welches allerdings recht kalt war. Man hätte vielleicht schwimmen gehen können (wenn man Nic heißt, zum Beispiel), aber ich hatte keine Badehose dabei, daher habe ich es beim plantschen belassen.

So, jetzt habe ich genug geschrieben >_< Ich bin mir nicht sicher, aber die Photos machen schon wieder Ärger. Einfach auf die Photobucket-Seite schauen, ok? Ich werde ausserdem noch das Kendo-Video hochladen, dass ich vor Urzeiten mal angekündigt habe.

Dann mal frohe Weihnachten!