05 November 2006

Kyoto

Als erstes: Kyoto war Hammergeil! Warum? Weil die Stadt wunderschön ist. Ich habe mir jedenfalls eingeredet, dass es so eine Mischung aus Konstanz und Frankfurt ist: einfach perfekt. Man hat eindeutig die Großstadt (1,2 mio Einwohner) mit riesigen Einkaufszentren, lebhaftem Nachtleben und gut organisiertem Verkehrsnetz (sobald man mal durchblickt...). Daneben aber ein Kleinstadtflair: unheimlich viel Grün, viele kleine, enge Seitengassen (in denen noch alte Häuser in Japanischem Stil stehen) und... jede Menge Touris (eben wie in Konstanz).

Da Kyoto über 1600 Buddhistische Tempel und 270 Shinto-Schreine beherberg, ist es kein Wunder, dass es an jeder Straßenecke etwas zu bestaunen gibt (hier ein typisches Tempeltor).

Und Ecken hat Kyoto viele: Die Stadt ist im Zentrum streng rechteckig aufgebaut, was die Orientierung natürlich erheblich erleichtert (einfach auf dem Stadtplan die Querstraßen bis zum Ziel abzählen, und dann loslaufen - hat bei mir immer geklappt). Ja, und orientieren und laufen muss man sich nämlich viel: Kyoto erkundet man am besten zu Fuß (habe ich in einem Reiseführer gelesen, und es hat sich als richtiger Ratschlag herausgestellt). Wenn man dann per pedes durch die Straßen wanderst, sieht man nämlich die bereits erwähnten kleinen Ecken, die einem beim Tempel-Hopping per Bus oder Bahn entgehen. So habe ich also ziemlich viele Kilometer zurückgelegt (ich habe es auf der Karte überschlagen) und dementsprechend unglaublich viel gesehen. Einiges habe ich auf Fotos festgehalten (rund 400 Stück), das reicht bei weitem nicht, um alles abzubilden was ich gesehen habe.

Als ich so am ersten Tag alleine durch Kyoto wanderte, kam ich zum Beispiel am Imperialen Palast vorbei. Der verbarg sich hinter Mauern, und um rein zu gelangen, muss man sich ein paar Tage vorher anmelden (wie ich erfahren habe, als ich davorstand). Deshalb nur eines der viele Tore von Außen (mit Pozilei davor - und nein, ich habe mich nicht verschrieben^^): Auf dem Weg zur Jugendherberge (ja, ich habe in einer Jugendherberge übernachtet - das war das billigste) musste ich den Kamo überqueren, der durch Kyoto durchfließt:
Hier der Eingang zu einem Schrein (repräsentativ für die ungefähr 100 anderen, die ich besichig habe):

Abends bin ich nochmal los, um Kyoto bei Nacht zu erkunden:Die Leute da im Vordergrund haben übrigens nicht mich, sondern den Eingang zu dem Schrein, in dem ich stand, fotographiert ;)

In der Jugendherberge habe ich zwei Japaner aus Tokyo kennengelernt. Mit dem einen, Shouta, habe ich mich ziemlich gut verstanden, das war ein lockerer Geselle. Er hatte sich ein neues Fahrrad gekauft und war dabei, eine Tour quer durch Japan zu machen. Durch meine Japanischkentnisse begeistert (ich hörte die ganze Zeit sugoi - großartig), konnte ich ihn als Führer für den nächsten Morgen gewinnen. Er lotste mich durch ein Labyrinth von kleinen Gassen zu dem brühmten Kyomizudera (Tempel des Reinen Wassers - oder so ähnlich). Dieser ist "an den Hang gebaut" und steht daher auf einem Gerüst aus 15 Meter hohen Säulen - ist sehr beeindruckend.

Das Wasser, dass dort fließt (und man trinken kann, siehe nächstes Foto) soll einen vor Krankheiten schützen:

Wie man sieht, war eine Schulklasse da.

Anschließend verabschiedete ich ihn (und Kei, das war der andere Japaner, der war auch mitgekommen) und fuhr nach Arashiyama (Westlicher Teil von Kyoto), wo ich ziemlich geile Natur sah (und Tempel, die darin "eingebaut" waren - unglaublich). Unter anderem bin ich druch einen Bambuswald gewandert - das folgende Foto finde ich derart gelungen, dass ich es direkt zu meinem neuen Hintergrundbild erkoren habe - solltet ihr auch machen ;)

Ich habe einige sehr schöne Schreine besichtigt und ein (verbotenerweise) ein Bild von einem Altar gemacht:Ist kein großer, um die großen war immer zu viel los, da konnte ich dann nicht knipsen. Hier an dem kleinen war ich alleine, daher habe ich die Gelegenheit genutzt :) Die Holzscheiben, die im Hintergrund baumeln, sind übrigens mit Wünschen von Schreinbesuchern beschriftet, mit denen sie sich an die jeweilige im Schrein wohnende Gottheit wenden. Der Kollege auf dem Bild ist zuständig für den Schutz von Kyoto vor Feuer, wenn ich mich recht erinnere. Ich habe ein weiteres Foto aus dem gleichen Schrein, das einen (Japanischen) Phönix zeigt, von daher glaube ich, dass ich mit der Feuergeschichte richtig liege.
Es hatte auch immer diese "Brunnendinger", in die man die Räucherstäbchen steckt (kennt ihr ja schon aus dem Asakusa-Eintrag - nur echt mit den Fake-Hakenkreuzen). Ich habe tüchtig gebrauch davon gemacht (als alter Räucherheld, nicht wahr?!). Es hatte vor den Altären kleine Boxen, da konnte man 5-Yen-Stücke reinwerfen, und dan durfte man sich ein Räucherstäbchen nehmen und anzünden, in den "Brunnen" stecken und beten. Ausserdem gibt es Glocken bzw. Gongs vor dem Altar, die man nach Spende von einem 5-Yen-Stück läuten darf. Damit macht man den Gott im Schrein auf sich aufmerksam, und anschließend wird das Gebet erhört.

Am dritten und damit letzten Tag habe ich den Tetsugaku no michi (Straße der Philosophie) begangen: ein Pfad am Ufer eines kleinen, beschaulichen Kanals am Stadtrand von Kyoto. Dort gab es zwar keine großen, aber dafür sehr beschauliche Tempel:

Am Nachmittag bin ich dann noch zum berühmten Kinkakuji (Goldener Pavillon) gefahren, das ist ein Gbäude des Rokuonji (Rokuon-Tempel). Der war so berühmt, dass ziemlich viele Leute die gleiche Idee hatten wie ich:Das hinderte mich aber nicht daran, auch das Objekt der Begierde, den Goldenen Pavillon, abzulicheten:Der heißt nicht umsonst so, wie man sehen kan (ist echtes Gold, nur so nebenbei). Ein Tempel besteht übrigens nicht nur aus einem Gebäude, sondern aus einem ganzen Areal - mehrere Gebäude, und oft auch noch ein Garten dazu. Der Garten (Park trifft es eigentlich eher) ist meißtens in Japanischem Stil gehalten. Ich habe aus dem Rokuonji-Garten mal noch ein nettes Foto hochgeladen:Wie man sieht, sind die Blätter der (Ahorn-)Bäume leider noch nicht richtig rot, ich war etwa zwei Wochen zu früh da. Kann man leider nicht ändern... angeblich ist Kyoto am schönsten im Herbst (also jetzt), wenn die Blätter alle rot in der Sonnen leuchten (in zwei Wochen).

Aschließend bin ich zum Ninnaji (ein weiterer Tempel) getingelt und habe einen der Wächter, welche die Tore bewachen für euch festgehalten:

Ich muss zugeben, die Japaner sind vielleicht teilweise ein bisschen pervers: Am Bahnhof von Kyoto fand ich mich plötzlich mit einem Weihnachtsbaum konfrontiert:Wie sich bald heraustellen sollte, war das aber nur die Weihnachts-Vorhut: noch viel besser war der RIESIGE, der in der Bahnhofshaupthalle stand. Ein Kaufhaus im Bahnhof war auch schon festlich geschmückt.
Ich habe mich noch ein bisschen umgeschaut in dem großen Bahnhof, das ist echt ein beeindruckendes Gebäude. Von dem sogenannten "Skyway" aus (der verläuft im Dach des Bahnhofes) habe ich noch mal ein Foto von der Stadt gemacht:Wie ihr an der Höhe erkennen könnt, ist der Bahnhof hoch. Der Turm auf dem Foto, den man leider nicht komplett sieht (ich habe noch Hochkantfotos, da ist er ganz drauf, aber dann sieht man die Stadt nicht, und ich habe keine Lust, den heutigen Eintrag noch größer zu machen, indem ich zwei Fotos poste^^) ist der Kyoto Tower.

Am Abend bin ich dann wieder zurück nach Tokyo, per Shinkansen. Dabei ist mir dann nochmal ein Missgeschick geschehen: Beim verlassen der Shinkansen-Gleise muss man eine dieser schon beschriebenen Ticketbarrieren passieren (wie bei der S- oder U-Bahn). Weil ich gewöhnt bin, dass das Ticket direkt wieder rauskommt, bin ich nachdem das Ticket im Inneren verschwand einfach weitergelaufen - und habe das Ticket in der Maschine stecken lassen (ich habe bei der Hinfahrt ja gesehen, dass es lange dauert, bis das Teil wieder rauskommt). Naja, da der Shinkansen ja zur JR gehört (Japan Railways), muss man, um in eine S-Bahn umzusteigen, nicht nochmal durch eine Ticketbarriere gehen. Daher bin ich bequem umgestiegen (ich war ein bisschen in Eile, ich hatte Angst, in Ikebukoro meinen Anchluss nach Kawagoe zu verpassen und dann in Tokyo festzusitzen), ohne mein Ticket zu benötigen. Als ich dann in der Bahn saß, schoß sich mein Hirn plötzlich auf die Frage ein, wie ich denn die Station wieder verlassen sollte. Naja, ich fand keine Antwort. In Ikebukoro angekommen (man, ich hatte noch nie so eine nervenzerreibende Bahnfahrt hinter mir) bin ich dann zu einer Angestellten gestiefelt (es gibt hier an jedem Bahnhof einen Schalter) und habe meine Misere geschildert (so gut ich konnte). Ich bin gar nicht so weit gekommen, alles zu erklären (wie gesagt, ich bin noch ziemlich schlecht im Japanischsprechen, ich brauche JAHRE, um einen kurzen Satz rauszubringen - ich muss dauernd von vorne anfangen, weil mir plötzlich einfällt, wie es richtig lauten müsste), da nimmt sie mein Portmonaie (mit dem ich vor ihrer Nase rumgefuchtelt habe) hackt sich in meine Suica-Card ein (das ist wie eine Telefonkarte, nur kann man die immer wieder aufladen und damit seine Bahnfahrten bezahlen... ziemlich praktisch) und sagt, es sei alles in Ordnung, ich könnte jetzt durch die Schranke gehen (sie hatte den Betrag vom Tokyo-Hauptbahnhof bis nach Ikebukoro abgebucht). Hab mir also mal wieder Sorgen um nichts gemacht...

Naja, bin also im Endeffekt gut in dem Haus meiner Gastfamilie angelangt - und jetzt habe ich einen steifen Hals und lege mich deswegen pennen. Dabei könnte ich noch so viel weiteres erzählen...

Ach ja, ich habe darauf verzichtet, die Schriftart zu ändern und den Blocksatz zu verwenden, wiel ich hoffe, dass dann das Vergrößern der Fotos bei Draufklick klappt... hoffen wir das beste.

5 Comments:

Anonymous Anonym said...

So, Herausforderung gemeistert! Liebe Gruesse an Gerhard..
Ansonsten kann man sich hier aus Addis schon mal nach den japanischen Idyllen sehnen. Aber das ist wohl in Tokyo auch an anders als in Kyoto. Schoene Bilder jedenfalls.
Bis bald.
Liebe Gruesse Philip

17:40  
Anonymous Anonym said...

Hochinteressant, ich entdecke ganz neue Parallelen zwischen buddhistischer und katholischer Frömmigkeit!
Wann besuchst Du ein Zen-Kloster?

Grüße von mir auch an Philip!
Christine

18:27  
Anonymous Anonym said...

liebe grüße auch von mir an die mit-kommentierer!
leider klappt das mit dem bildervergrößern nicht- jedenfalls bei mir.
uh, jedenfalls hast du in mir wieder einmal das starke bedürfnis ausgelöst, in dieses tolle land zu kommen! >_<
aber trotz deiner bescheidenheit scheint dein japansich ja wirklich gut zu werden. ich wüßte nicht mal im ansatz, was ich mit dem lockeren japaner reden, geschweige denn der frau am bahnhofsschalter erzählen sollte. und du bist noch über ein halbes jahr drüben. das wird noch.
steht der silberne pavillion nicht auch in kyoto? jedenfalls hab ich ich schief gelacht, als ich las, daß der goldene pavillion so berühmt ist, daß auch andere leute die idee hatten, da hin zugehen, ich dann nach unten scrollte und diese menschenmassen sah. ganz groß!
uh! man muß mal wieder skypen!

20:05  
Blogger MastaShift said...

Ja, keine Ahnung warum das mit den Fotos nicht klappt... das treibt mich noch zur Verzweiflung.

Ja, der silberne Pavillon (Ginkakuji) steht auch in Kyoto, ich hatte aber keine Zeit mehr, da auch noch rein zu gehen, bin nur dran vorbeigekommen.

Eigentlich war es ja so, dass an den meißten Tempeln und Schreinen ziemlich viel los war... bloß die kleineren, abgelegenen wurden nicht so viel besucht. Aber der Kinkakuji war schon extrem, deshalb habe ich auch das Foto mit den vielen Leuten gemacht. Um ein Foto vom Pavillon selber zu machen, musste man sich erst mal anstellen... am Ufer des Teiches (den man auch auf dem Foto sieht) war nicht genug Platz für alle gleichzeitig >_<

23:59  
Anonymous Anonym said...

also ich schließe mich den munteren Grüßen an, besonders auch an Philip, deine Bider sind sehr eindrucksvoll!

16:45  

Kommentar veröffentlichen

<< Home