20 Oktober 2006

Tokyo dawn

So, um den Titel zu rechtfertigen, hier schnell ein Alibi-Eintrag (es ist gerade 6:50). War das Tokyoter Nachtleben abchecken. Was sich so ereignet hat, werde ich hier reinschreiben, wenn ich wieder einigermaßen fit bin... nur soviel: es hat Jeff Mills gespielt.

Also, mittlerweile ist es 15:34 und ich bin wieder auf den Beinen (wenn auch wackelig). Also, was ging gestern so?
War deutlich einer der besten Tage bisher, die ich in Japan hatte. Ich habe mich am späten Nachmittag mit dem Vizepräsidenten der Uni getroffen, Katsuya Endo, mit dem ich ja schon in Deutschland einschlägige Erfahrungen gemacht hab
e ^^
Er hat mich mit in ein Seminar von ihm genommen, und nachdem er den versammelten Student auf Englisch gesagt hat, dass ich ein Deutscher Austauschstudent bin und er mich von seinem Aufenthalt in Deutschland kennt, schob er mich nach vorne und meinte, ich solle mich selber vorstellen - natürlich auf Japanisch. Im Angesicht der vielen Japaner verließen mich plötzlich meine ohnehin bescheidenen Fähigkeiten und ich brachte nicht viel mehr raus als meinen Namen, mein Alter und Studienfach... ich kam mir vor, als hätte ich gerade einen mündlichen Poesiealbumseintrag abgeliefert!
Nach dem Kurs hat Endo-Sensei mich dann mit zu sich nach Hause genommen, und von da aus sind wir dann in ein chickes Restaurant, deutlich gehobener als alles, was ich bisher in Japan besucht habe (zb. mit meiner Gastfamilie). War allerdings auch nicht soo piekfein, dass ich mich meiner Streetwear (?) wegen
hätte schämen müssen. Beim Essen, dass wir uns geteilt haben (es ist in Japan üblich, verschiedene Dinge zu bestellen, die dann in die Mitte gestellt werde, und jeder kann sich dann nehmen, was er gerade mal will... das hat den Vorteil, dass man ziemlich viel probieren kann), wurden dann diverse Versprechen erneuert (in knapp einer Woche gibts bei ihm im Garten ne Grillparty, nachdem ich das JSP absolviert habe fahren wir auf die Farm seiner Eltern etc.) und ordentlich getrunken. Er hat wieder Bier weggezogen wie Wasser. Ich habe nicht versucht, hinterherzukommen, da ich für später noch mit Tim zum clubben (man bin ich hip) verabredet war und dabei nicht angetrunken sein wollte. Hat aber nicht geklappt, irgendwann hat er mir ein Glas 25%gen Sake bestellt, das war dann auch für mich zu viel (es war ein großes Glas).
Nuja, ich bin dann nach dem Essen zurück nach Hause, habe meine Unisachen abgestellt, mein Portemonaie von allen überflüssigen Karten geleert und bin losgezogen, nach Ikebukoro, wo ich mit Tim getroffen habe (hier ein zusammenhangsloses Foto, beim Karaoke vor zwei Wochen geschossen, damit ihr wisst, um wen es sich handelt):
Wir sind zusammen ins "Womb", da hat eben schon erwähnter Jeff Mills gespielt (wer sich jetzt nicht so mit den großen Namen der Elektronischen Musik auskennt... schade drum). Der Vergleich Deutscher Club/Japanischer Club liefert im Endeffekt keine überraschenden Ergebinsse: Tokyo ist eben Tokyo. Das bedeutet: Europa oder Amerika, ein bisschen bunter und ausgeflippter vielleicht, aber: zehnmal soviele Leute auf gleichem Raum. Für das Womb bedeutete dies wohl Einnahmen ohne Ende, für uns, die Gäste, ein Gedrängel wie ich es noch nicht erlebt habe. Ich habe mich wie auf einer Miniaturversion der Hauptwache zu Sound of Frankfurt-Zeiten gefühlt. Kein Vor und kein Zurück mehr. Naja, Folge war: kein richtiges Tanzen möglich, denn dafür braucht man Platz. Stattdessen sind wir von zwei Amerikanern (ok, einem Amerikaner und einem Kanadier, aber der Kanadier hat sich so wie ein Amerikaner verhalten) angequatscht worden, denen ich schon nach dem ersten Satz, den die losgelassen haben, am liebsten eine versenkt hätte: "Endlich mal ein paar normale Leute, wir sind gerettet" (Sinngemäß). Naja, beide bei der Army, in Japan stationiert, was will man erwarten? Der eine beschwerte sich bei mir zehn Minuten bei mir, dass die Musik zu langsam sei, er wolle "the Energy, man, the Energy". Es müsse so gehen: "SCHRRRRT-SCHRRRRT-SCHRRRRT" (das waren die Geräusche, die er von sich gab), volle Kanne, ey, ultrahart, SCHRAAAANZZZ! Jup, die die Kinder gibt es nicht nur in Frankfurt. Bloß war dieses Kind 30 Jahre alt (hat er mir jedenfalls erzählt, er sah eher aus wie um die 19), und nachdem er mir erzählt hat, dass er schon überall auf der Welt in Clubs war und alle großen DJs kennt und überall hartes Zeug gespielt wird, bloß hier nicht von Jeff Mills, schwenkte er zu dem zweiten Thema über, dass sein bemitleidenswertes kleines Gehirn fassen konnte: Frauen. "Hot, man, hot chicks, I've been to Spain, and did them all, man, so HOT" und "Germany has the hottest blondes ever, man, I swear, I banged a lot of them, got 'em all in clubs, man", und dabei hat er dann lustige Bewegungen gemacht. Nachdem er mich dann so einige Zeit gequält hat, wurde ich von Tim erlöst, der mich auf die Tanzfläche zerrte und wir in der Anonymität der Masse geschickt untergetaucht sind. Ich konnte mich den beiden Freaks bis zum Ende des Abends erfolgreich entziehen. Tim hat sich übrigens ganz doll für das Verhalten seines Landsmannes geschämt und gemeint "Army... what do you expect?". Das hat mein Bild dann doch wieder ein bisschen relativiert...
Jo, Musikmäßig war's ziemlich cool, ein bisschen zu hart für meinen Geschmack vielleicht (man, bin ich alt geworden). Es gab noch einen Auftritt von Sleeparchive, irgend ein Liveact, habe ich auch nicht gekannt. Der hat mir besser gefallen, war mal deutlich langsamer und gechillter, "Kuschelmusik" :)
Interior enspricht etwa dem U60311 in Ffm, bloß nicht ganz so schmucklos. Auf der weiter oben verlinkten Seite findet man ein paar Bilder, wobei das da drauf ja eher aussieht wie der Cocoonclub, ein bisschen arrangiert halt.

So, es ist gerade meine Wäsche fertiggeworden, die werde ich jetzt mal aufhängen.
Morgen geht's nach Akihabara, ich nehme die Kamera mit!

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Jeff Mills. Nicht schlecht.
Man muss wohl erst nach Japan reisen, um den mal zu treffen hehe.

Hoffe du konntest trotzdem etwas Energie auftanken.

Gruß,

Robert

23:02  

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