09 September 2006

Tokyo II... und... Karaoke

Gestern war ich den ganzen Tag auf Achse. Morgens sind wir mit unserem Japanischkurs losgezogen, um Tokios Schienennetz kennenzulernen. Das ist nämich nicht ganz so einfach zu verstehen wie in deutschen Großstädten. Es gibt nämlich in Tokio nicht nur eine Verkehrsgesellschaft, sondern gleich mehrere: Mehrere Private, das staatliche JR-System (JR = Japan Railways) und die U-Bahn. Die Tickets sind nicht kompatibel; man braucht für jede Bahn ein eigenes (obwohl es Mehfachkarten gibt, die auf mehreren Linien funktionieren). An Automaten kann man die Karten kaufen; man löst dabei keine Karte zu einem bestimmten Ziel, sondern für einen bestimmten Betrag. Mit dem Betrag kann man eine bestimmte Anzahl von Stationen weit fahren (es hängen Pläne aus, wieviel zur Zielstation benötigt wird); das ist von Linie zu Linie unterschiedlich. Mit der Fahrkarte geht man durch eine Art Schleuse, dabei wird auf der Karte der Eingangort vermerkt. Hinter der Schleuse liegt dann der eigentliche Bahnhof. Den Zielbahnhof muss man wiederrum durch so eine Schleuse verlassen. Sollte das Ticket nicht bis hierher gereicht haben, muss man an einem dafür vorgesehenen "Fare Adjustment"-Automaten nachzahlen.
So sind wir gestern ein bisschen durch Tokio gegondelt, von unserer Uni nach Ikebukoro, über Shinyuku, ein paar kleinere Stationen und dann wieder zurück. In Shinyuku haben wir ein bisschen Halt gemacht und sind in einen von den Wolkenkratzern (Bild),

in den 49 Stock, da gibt es eine Aussichtsetage. Von dort aus hat man einen guten Blick über die Stadt. Allerdings nicht über die ganze Stadt - Tokio ist so groß, dass man am Horizont das Stadtende nicht mehr auflösen kann. Bei gutem Wetter kann man allerdings den Fujiyama (yama = Berg, auf japanisch eigenlich Fujisan, san = Herr/Frau) sehen. Leider hatte es gestern immer noch schlechte Sicht, ziemlich diesig, daher war's nichts mit "Herrn Fuji". Hab trozdem Bilder gemacht, hier eines zum Eindruck gewinnen:

Nachmittags hing ich noch mit der einen Peer Assistentin und einer Amerikanerin in Ikebukoro rum; wir haben uns die "Sunshine City" angeschaut (warum die so heißt, habe ich immer noch nicht verstanden), das ist im Wesentlichen ein weiteres großes Einkaufszentrum, mit ein paar Austellungen und dem (angeblich berühmten) Sunshine Theater. Ausserdem einen Ghibli-Store. Vor der Haltestelle aus "Tonaro no Totoro" habe ich dann dummerweise festgestellt, dass mein Foto irgendwie nicht mehr geht. Wenn ich Pech habe, bekomme ich das nicht mehr hin und kann mir gerade mal einen schicken neuen kaufen >_<. Scheiße.

Abends sind wir dann mit den Peer Asisstants zum Karaoke-Singen gegangen. Man muss dazusagen: Karaoke bedeutet in Japan nicht nur singen, sondern auch saufen. Man kann sich ein Zimmer für eine Stunde (oder auch mehr) mieten, und hat dann für diese Stunde sowas wie "all you can drink". Es gab sogar Gin Tonic (juchee), allerdings musste ich feststellen, dass die doch ein bisschen am gin sparen, daher bin ich später auf Bier umgestiegen. Das ist übrigens ziemlich wässerig, ich bin mir aber nicht sicher ob das jetzt am japanischen Bier generell oder an den Sparmaßnahmen des Karaoke-Centers lag. Jedenfalls wurde es schnell ziemlich lustig, und am Ende habe sogar ich gesungen, Roxette und Ace of Base, die anderen Sachen kannte ich nicht oder wollte ich nicht (bevor ich Doors singe, muss die Welt untergehen).

Naja, es ist auf jeden Fall interessant zu sehen, wie die Amerikaner mit dem Alkohol umgehen. In den USA ist der ja erst ab 21 frei, und dementsprechend scheinen die Parties dort (jedenfalls auf dem College) nur auf "möglichst schnell möglichst viel trinken, weils ja illegal ist" ausgelegt zu sein - meinten jedenfalls welche, mit denen ich mich darüber unterhalten habe. Naja, das Ergebnis waren jedenfalls zwei dermaßen fertige Studenten (die eine fing auf dem Bahnhof plötzlich an zu heulen, sie hätte einen schlechten Tag gehabt, sie will sterben, wir sollen sie nicht mehr festhalten, sie will auf die Schienen springen), die (verständlicherweise) nach Hause gebracht werden mussten. Macht bestimmt einen Mordseindruck auf die Gastfamilien. Ich werde mmir in Zukunft jedenfalls überlegen, mit wem ich weggehe.

6 Comments:

Anonymous Anonym said...

heißa hopsa, wir wollen Aufnahmen deines großen Auftritts haben!!! Falls keine existieren, musst du nochmal singen und dann welche machen...

11:31  
Anonymous Anonym said...

Seid ihr auch in die U-Bahnen gequetscht worden? ^^

14:04  
Anonymous Anonym said...

hehe, der Hagen :-)

Geil Klix... Dann kannst du die ja als Deutscher bestimmt alle unter den Tisch saufen, oder?! War das bei den Japanern nicht so, dass die nix vertragen? :-)

Und noch was wegen deinem Foto: Sind die Elektrogeräte in Japan nicht billiger als bei uns?

Viele Grüße aus dem sonnigen Bad Homburg *Mike*

12:31  
Blogger MastaShift said...

nee, bisher bin ich noch immer von alleine in die U-Bahn gekommen...
Ja, Kameras sind tatsächlich billiger als bei uns. Ich war heute in 'nem Kamerageschäft (zusammen mit meinem Gastvater), und es ist billiger, die Kamera reparieren zu lassen, als ne neue zu kaufen...

12:39  
Anonymous Anonym said...

uh, von dem selbstmordversuch haste ja gar nicht berichtet! hehe, alkohol ist böööse!

hoffe, deiner kamera gehts bald wieder besser. die fotos von dem schloß haben mich noch(!) neidischer gemacht...

aso, und da kommt mal wieder der besserwisser in mir hervor: fujisan. "san" heißt hier nicht "mann/frau". das wird zwar auch "san" ausgeprochen, aber nicht gleich geschreiben. das zeichen für "berg" kann man "yama" und "san" aussprechen. der eine berg da in japan hieß schon immer fujisan. bis ein bakagaijin kam und das kanji falsch laß. ;D

18:07  
Blogger MastaShift said...

Hmja, da erkennt man den Unterschied zwischen Japanologie und Physik :) Mir fehlt ein bisschen die Vorbildung >_<

03:27  

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