Frohes Neues...
(Weil das Internet hier komisch ist, kann ich die Bilder irgendwie nicht in den Blog laden. Daher einfach auf die Photobucketseite schauen, da hat es komischerweise geklappt.)
...wünsche ich aus dem neuen Zimmer. Nach ein paar ruhigen Tagen bei meiner (Ex-) Gastfamilie bin ich am 29. umgezogen, nach Naka-Itabashi, eine kleine Station nahe Ikebukuro. In Japan (zumindest in Tokyo) spielt sich das Leben um die Bahnstationen herum ab. Auf die Frage "wo wohnst du?" wird mit dem Namen des nächsten Bahnhofes und der entsprechenden Bahnlinie geantwortet (anders als in Deutschen Städten haben die (U-) Bahnlinien in Tokyo keine Nummern, sondern Namen. Zum Beispiel "Yamanote-Sen", die wichtigste (oder berühmteste) Linie; übersetzt heißt das etwa "hügeliger Teil der Stadt-Linie". Ich wohne an der Tobu-Tojo-Linie, die nach der Gesellschaft Tobu-Tojo benannt ist. In Ikebukuro gibt es etwa das Tobu-Tojo-Kaufhaus, oder die Reisegesellschaft Tobu-Travel).
Naja, das Haus in Naka-Itabashi ist ein bisschen alt, aber sonst ganz nett. Ich wohne in einem Zashiki, das ist ein mit Tatami ausgelegtes, also Japanisches Zimmer. Hier habt ihr ein Foto, das ich direkt nach meinem Einzug geschossen habe (wie man sieht, habe ich bis dahin nur das Notebook ausgepackt):
Mittlerweile habe ich mich einigermaßen eingelebt und das Zimmer ein bisschen verziert, Fotos und Poster an der Wand aufgehängt etwa. Besonders erfreue ich mich an meinem Eingangsvorhang:
Das Negative an dem Zimmer: wie in allen Japanischen Häuser gibt es keine Zentralheizung, also ist es schweinekalt. Die Klimaanlage, die auch heizen kann, macht die Luft leider supertrocken; ausserdem sträube ich mich gegen die Benutzung aus ökologischen Gründen; von daher benutze ich sie so wenig wie möglich.
Darüberhinaus scheint es mir so, als wäre hier seit Jahren kein Staub mehr gewischt worden: Als ich das Zimmer zum ersten Mal betrat, konnte ich für 10 Minuten nicht mehr aufhören zu niesen. Ich habe erst mal gesaugt, und angefangen den Schrank auszuwischen, werde aber nach und nach das ganze Zimmer durchwischen müssen (inklusive Wände und Decke), denn der Staub klebt einfach überall. Ausserdem sind die Futons extrem vergammelt; die riechen so, als hätten die in ihrem Leben noch nicht ein einziges mal frische Luft ausserhalb des Zimmers geschnuppert. Wenn es nicht so kalt wäre, könnte ich ja einfach das Fenster öffnen und den Kram mal raushängen lassen, aber bei den Temperaturen, die hier herrschen... muss ich mir wohl was anderes einfallen lassen.
Ich habe selbstverständlich schon ein paar von meinen Mitbewohnern hier kennengelernt. Wie sich herausstellt liegt es nicht an den Japanischen Namen, dass ich sie mir nicht merken kann. Der Einzigste, den ich bisher behalten kann ist Trevor, von einem Kanadier, der im Zimmer neben mir wohnt. Es hat noch einen Amerikaner, dessen Eltern Deutsche sind (aber sein Deutsch ist zu schlecht um ein Gespräch mit ihm zu führen, daher übe ich lieber Englisch), einen Franzosen und eine Französin. In dem zweiten Stock des Hauses, den man aber über einen anderen Eingang betritt, wohnen noch weitere Leute, die ich aber bisher nicht kennengelernt habe.
Der Kanadier ist ganz nett, aber ein bisschen ausgefreakt. Komme aber gut mit ihm zurecht. Der Franzose ist auch ziemlich nett, wenn ich auch ein bisschen Probleme habe, sein Englisch zu verstehen ;) Mit den anderen bin ich bisher noch nicht abgehangen...
Über Sylvester war ich nochmal bei meiner Gastfamilie. Das war richtig nett, vor allen, weil ich auf diese Weise ein traditionelles Neujahrsfest miterleben konnte. Mein Gastvater hat mir erzählt, dass das Neujahrsfest in Japan drei Dinge bedeutet: Trinken, Essen, Schlafen. Sehr gemütlich also. Wir haben um 18:00 Uhr angefangen, die von meiner Mutter gemachten traditionellen Speisen zu schlemmen, und um 24:00 waren wir im Prinzip immer noch dabei. Es war so ein bisschen wie Raclette, bloß ohne den Grill. Es gab viele verschiedene Kleinigkeiten, von denen man sich ein bisschen auf den Teller geladen hat.
Die vielen Speisen haben eine bestimmte Bedeutung, die sich oft auch im Namen (den Kanjis) des Essens wiederspiegelt. Leider konnte ich mir keine merken, bis auf Fischeier, deren Verzehr wohl dafür steht, dass man im nächsten Jahr viele Kinder bekommt (oder in seinem ganzen Leben, bin mir nicht mehr sicher; dagegen würde allerdings sprechen, dass man das an Neujahr isst).
Nach 24:00 Uhr bin ich dann mit meinem Vater und dem älteren Bruder zum Schrein, um die Wünsche für das neue Jahr vorzutragen. Meine Mutter brachte den Kleinen ins Bett, und die Oma ist nicht mehr so fit auf den Beinen, deswegen sind die nicht mit.
Insgesamt war Sylvester wesentlich feierlicher als Weihnachten, vielleicht ist also tatsächlich was dran an der Behauptung, dass das Westliche Weihnachten das Japanische Neujahr ist. Insbesondere beim am Schrein, auf dessen Gelände ein großes Feuer enzündet und man sich nach dem Gebet mit warmen Sake aufwärmen konnte kam ich mir dann fast so vor wie beim weihnachtlichen Kirchgang....
So, eine Neuigkeit gibt es noch: meine Oma hier hat Kanjis für meinen Namen ausgesucht. Also, eigentlich nicht für meinen richtigen Namen, sondern nur für "Chris" oder "Kurisu", wie ich allgemein auf Japanisch heiße.
功理州
Weil ihr jetzt vermutlich nur Kästchen seht, empfehle ich euch, die Erweiterung für Ostasiatische Sprachen zu installieren, die ihr in der Systemsteuerung unter Regions- und Sprachoptionen unter dem Register Sprachen findet.
Die Bedeutung des ersten Kanjis 功 ist Erfolg; das Zweite 理 ist das "ri" aus 物理学 (butsurigaku), was Physik bedeutet. Das letzte Kanji 州 steht für Land oder Gebiet. Zusammengesetzt also "kurisu", das erfolgreiche Land der Physik (mit Bestätigung meiner Gastmutter frei übersetzt). Schöner Name, oder? Besonders für einen Physiker... :D

4 Comments:
uuuuuuuuuuuhhhhhhh!!!!!
die letzten wochen war ich nicht in bonn, deswegen der beschränkte zugriff aus das internet und deinen block. mußte eben die letzten 3 einträge noch nachholen.
und als ich hier reinkam, wartete ein brief von so nem verrückten kerl auf mich, der mir,auch wenn er nichtmal auf dem selben kontinent weilt, ein weinachtsgeschenk machen muß! uuuuhhhh! sehr gut! viiiieeelen dank!!!! aber dafür mußte trotzdem bestraft werden! mein daddy gibt mir geld. also komme ich dich besuchen! im märz oder so! für so lange, daß du mich gar nicht mehr loswerden wollen kannst!!!!
naja, aber ich bin von deinem zimmer begeistert! geilomato!
wie viel m² hat das gute zimmer denn? meinste da passt noch ein futon für mich daneben. die japanerinnen müssen dann halt auf unter unter uns liegen ;p
wann kommt der hagen?
also funzt dein internet im neuen zuhause? dann mußte mal ins icq kommen!
hm, wie lang kann denn son kommentar werden?
naja, wird jetzt reichen.
uuuuuuuuuuuhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!
Frohes Neues, Meister Klix und alles Gute den viiielen zu erwartenden Nachkömmlingen dieses Jahr! ;-)
Einen Gruß von mir, jetzt, wo ich doch wieder flinke Finger habe...;-)
sehr hübsche Bettwäsche hast du da;-), aber da kannst du ja bestimmt nix für. Dein Zimmer scheint ja schön viele Fenster zu haben, sehr nett! Man ist gespannt!
Grüßle an alle,
die Miri
üüüüüühhhh, einen Gruß von deinen kleinen, nervigen Geschwistern. Man hört nix mehr von dir, was sehr ungut ist!
üüüüüüüüüüüüühhhhh!!!!
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