23 Februar 2007

Spass im Schnee

Nach nun fast zweiwöchiger Sendepause fühle ich mich verpflichtet, wieder etwas von mir hören zu lassen. Trifft sich gut, dass das Snowboarden geklappt hat, sonst wäre eine weitere Schädigung der geneigten Leserschaft durch langweilige Arbeitsberichte wohl unausweichlich gewesen.

Ja, also, wo fangen wir denn an?
Nachdem ich am Freitag die Uni fluchtartig verlassen habe musste ich mich erst noch mit einem langweiligen Wochenende herumschlagen. Es ist ein neuer Kerl eingezogen, heißt wohl Clement oder so, Franzose. Den hab' ich gefressen. Weiß' auch nicht, wieso, aber ist mir total unsympatisch. Hing leider die ganze Zeit im Wohnzimmer rum und hat mich beim Kochen und Essen genervt. Höhepunkt war der Sonntag Abend, an dem ich gegen Chris, den Engländer (der vor zwei Wochen oder so einzog, man entschuldigt die versäumte Verkündung dieser Tatsache) auf unserer Playstation (ja, es gibt hier eine Playstation, wir sind ja in Japan) Tekken gespielt habe - der Franzose platzt rein (will natürlich mitmachen) und reißt dann das Maul auf, wie gut er sei. Nach jedem Sieg springt er auf, stößt ein wildes Siegesgeheul aus und trommelt sich auf die Brust. "I'm best" lässt er lautstark verlauten. Naja, dass er jedes zweite Match verloren hat schien die Auffasung seiner Leistung irgendwie nicht zu trüben.

Glücklicherweise war es schon spät geworden, und so konnte man sich ins Bett retten. Ach ja, nebenbei, das Futon (oder ist es "der" Futon?) stinkt nicht mehr. Werde ja recht oft in ICQ darauf angesprochen.
Am nächsten Morgen habe ich fertiggepackt und bin gen Yukis Haus aufgebrochen, wo man sich treffen wollte. Nachdem der Mietwagen abgeholt worden war, habe ich mit Schrecken festgestellt, dass jener nicht größer als ein VW Passat ist, allerdings mit einer zweiten Rückbank, so dass 7 Leute reinpassen. Zu meinem Entsetzen habe ich sechs Leute gezählt - mit Gepäck wurde das ENG. Und drei Stunden Fahrt haben mir wieder einmal bestätigt, wie lästig Autofahren ist - vor allem ohne Beinfreiheit. Das ich nicht wahnsinnig geworden bin ist wohl vor allem der Tatsache zu verdanken, dass ich endlich mal "richtige" Japanische Landschaft gesehen habe. Ich war ja bisher nur in Kyoto und auf Okinawa, und Letzteres repräsentiert ja ganz sicher nicht den Japanischen Durchschnitt. Und vom Zug aus, auf der Fahrt nach Kyoto, habe ich einfach nicht so viel mitbekommen - da war die Autofahrt doch viel interessanter. Ich habe ja mal gelesen, das Japan extrem Hügelig ist, und jede freie, ebene Fläche besiedelt ist. War sehr interessant, das bestätig zu sehen. Ich kam mir vor wie im Taunus (das Deutsche Mittelgebirge nördlich von Frankfurt, für alle Süddeutschen, die in Erdkunde nicht aufgepasst haben).

Schließlich sind wir in unserer Unterkunft angekommen, einem Ferienhaus, das Yukis Eltern gehört. Sehr gemütlich mit sehr moderner Küche, schickem Bad (Ofuro) und netten Japanischen Zimmern (Washitsu). Nach Auspacken und Einräumen haben wir aungefangen zu Grillen. Schnee und Kälte vor der Haustür haben da nur unwesentlich gestört.Gab' ja genug Alkohol um einen warmzuhalten - schließlich war man nicht mit irgendwem, sondern mit Yuki, anerkanntem Partymacher, Vieltrinker und Langaufbleiber (kurz: "der Michaersatz") unterwegs. Vom Umtrunk beschwingt, viel es mir trotz nicht vorhandener Japanischkenntnisse nicht schwer, mit den beiden bisher nicht bekannten Mitreisenden nähere Bekanntschaft zu schließen: Hiroki (unten im Bild) und Norumichi (rechts). Ausserdem dabei war noch Minami dabei, ihres Zeichens Freundin von Yuki und sowas wie "Organisator" (ist echt wichtig, wenn man mit vier verrückten Jungs unterwegs ist und die Landessprache net beherrscht). Der Halbnackte in der Mitte des Bildes ist Yuta, den kannte ich aber schon aus der Zeit, wo Hagen hier war (der war ja auch beim Siedlerspielen dabei und ist euch aus dem letzten Karaokevideo bekannt).

Wie auf dem Bild zu erkennen ist, haben wir UNO gespielt, mit der sehr lustigen Regel, dass man nur "reines" Japanisch sprechen durfte (steht unter Strafe mit erzwungenem Alkoholkonsum - es gab furchtbaren Tequila). In einer Sprache, in der man zu "Null" des öfteren mal "Zero" sagt und ein Spiel als "Ge-mu" bekannt ist, scheitert man natürlich recht schnell. Als Japaner. Als Deutscher, der sowieso immer drei Minuten überlegen muss bis endlich mal ein Satz rauskommt ergeben sich nicht zu unterschätzende Vorteile. Ende der Geschichte: platte Japaner und ein recht frischer Klixi, der dafür sorgen musste, das alle heil ins Bettchen kamen (weil es ja schon um 6 los ging am nächsten Morgen).

Warum schon um 6 aufstehen? Das Haus lag nicht direkt am Skigebiet, wir mussten noch rund anderthalb Stunden fahren, bis die ersten Lifte sichtbar wurden. Ergab aber die Möglichkeit, noch ein paar nette Fotos zu machen von der Landschaft (die am vorigen Abend bei Ankunft ja schon dunkel gewesen war. Also, Skigebiet: größer als gedacht, steiler als gedacht, billiger als gedacht. Geil! Größe: Warth in Österreich, Steigung: ... öh, schwarze Buckel halt, Preis: 2 Tage 3000 YEN (21 EURO). Die 1000 YEN (7 EURO) für's Ausleihen des Gelärsches waren unter diesen Umständen doch recht gut zu bezahlen. Erster Tag: Ski, zweiter Tag: windelweiches Freestyleboard, pfui Deibel. Hatte ja angekündigt, nie mehr mit sowas zu fahren - aber mich hat nach dem ersten Tag auf Ski dann doch die Eitelkeit gepackt, und ich musste unbedingt heraushängen lassen, dass ich auch Board passabel fahren kann.
Und jetzt noch mal im Ernst: ich bin von Yuki gebeten worden, am zweiten Tag Board zu fahren, weil er keine Lust mehr hatte, den ganzen Tag Lehrer für die anderen Jungs zu spielen. Die waren nämlich, trotz wildem Aussehens und kompletter Ausstattung alle noch Anfänger und benötigten Hilfe. Und da ich auf Japanisch das Snowboarden nicht erklären kann, und man das ja sowieso besser einfach mal vormacht, habe ich ein Board gebraucht.

Genug Geschwätz, jetzt wieder Fotos.
Von den Bergen hatte man einen prima Blick auf das Tal. Besonders nett: der (leider nicht zugefrorene) See am Fuße des Hügels. Und in der Ferne schneebedeckte Gipfel, jenseits der Baumgrenze... ich glaube, ich muss im Sommer noch mal dahin, wandern.Bemerkenswert nämlich die Tatsache, dass es sich bei den Bäumen vorwiegend um Laubbäume handelte, die logischerweise zur Zeit Laublos sind (wie auf dem Bild zu erkennen). Das hat interessante Ausblicke zur Folge:Nun ja, ebenfalls interessant waren die Lifte, die durch das Abhandensein von Sicherheitsbügel (damit man nicht rausfällt) und dementsprechend auch Ski-Abstell-Vorrichtung geglänzt haben. Da bin ich doch ein wenig froh, dass es in Österreich und Schweiz vor allem die guten original Doppelmayr-Lifte hat... anstelle von dem Label Nippon Cable. Ist ansonsten aber nett, Österreichische Technik in Japan zu finden. So gut, dass es fotographiert werden muss:Ansonsten... noch ein Bild meiner Lieblingspiste (rechts im Bild), die hat sich als echte Herausforderung entpuppt, dank Schatten und Nicht-Präparierens. Total vereist und steil mit Hubbeln, was will man mehr:Die anderen wollten da komischerweise nicht mitkommen.
Ansonsten sind wir aber immer zusammen gefahren, was ich extrem sozial fand. Ich habe mich aufgrund des reduzierten Tempos aufs Fakie-Fahren konzentriert, weil ich das mit meinem Board in Konstanz ja nicht machen kann. Gefährdung für andere Fahrer auf der Piste bestand nicht, denn es war verdammt leer. So wünscht man sich die Skigebiete in Europa auch!

Alles in Allem ein äußerst gelungener (Kurz-) Urlaub. Da Hiroki in einem Izakaya (Japanische Kneipe) in der Küche als Aushilfe arbeitet, hat er bereitwillig die Hauptkocharbeit übernommen und uns das Schnipseln überlassen. Neben dem Frühstück und Abendessen hat er zum Trinken fantastische Snacks gezaubert, wie sie eben auch in den Izakayas üblich sind. Am Ende wollte ich gar nicht mehr zurück nach Tokyo. Als ich das kundtat, wurde ich sogleich für nächstes Jahr eingeladen, wieder mitzukommen. In Anbetracht des genialen Skigebietes und des netten Ambientes würde ich das ja wirklich gerne machen. Da muss ich ab jetzt kräftig sparen...

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

schön, wieder von dir zu hören. hatte schon angst um dich.
aber hattest ja guten spaß! und deine blogs sind wie immer eine freude, zu lesen.

wann könnt ich dich denn mal wieder im icq erwischen? hätte noch ein paar fragen... is nicht mehr lange hin!!!! uuuuuuuhhhh!!!!!

uh, bleach!!!!!!!!
uh, naruto!!!!!!!!
endlich keine filler mehr!

14:55  
Blogger Dominik Bauer said...

Man sieht, du machst die gleichen Erfahrungen mit den Franzosen. Sind alle leicht ueberheblich und und machen komische Sachen.

In den USA koennen sie sich auch keine Abstellmoeglichkeiten fuer Ski leisten. Dafuer gibts Sicherheitsbuegel, die das Ski fahren aber gleich wesentlich teurer machen :-).

18:34  

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