Heissa,
Auf Meereshöhe hat Yakushima dank der südlichen Lage ein tropisches Klima. Entsprechend sah der Wald aus wie ein kleiner Dschungel; Palmen, Lianen, Farne, alles am Start.
Weil sich die Berge auf Yakushima ja auf bis zu 2000 Meter erheben, kann man auf den unterschiedlichen Höhen prima unterschiedliche Vegetationstypen erkennen. Bald standen die Bäume nicht mehr so dicht, und es gab weniger Sträucher, dafür war alles von einer dicken Moosschicht bedeckt: Auf dem Bild kann man auch super sehen, wie sich das Wetter entwickelte: nämlich prächtig. Meine Regenbefürchtungen waren für den ersten Tag beseitigt.
Hin und wieder konnte man aus dem Baumdickicht auf einen gegenüberliegenden Berghang blicken; das Meer war schon schon ziemlich bald nicht mehr zu sehen: Wasser entnahm ich aus den vielen Bergbächen, die überall entsprangen. Auf meiner Wanderkarte waren die Wasserstellen eingezeichnet, man konnte also prima planen, wann man seinen Vorrat das nächste Mal auffüllen konnte.
Am frühen Mittag hatte ich die erste Begegnung mit einem Reh (oder so etwas ähnlichem, die Viecher waren eigentlich zu klein für normale Rehe, aber vielleicht war es eine Art Yakushima-Spezial-Rotwild), das mitten auf dem Weg stand, direkt hinter einer Biegung - ich habe mich zu Tode erschreckt. Da es keine Anstalten machte, den Weg zu verlassen, kramte ich meine Kamera raus und konnte tatsächlich ein Foto machen: Auch nachdem ich das Foto gemacht hatte, ging es nicht weg - und ich hatte Angst, es zu verscheuchen, denn es hätte ja eine Tochter eines Gottes in Tierform sein können - wie man es aus Miyazaki Hayao's "Prinzessin Mononoke" kennt (hatte ich schon erwähnt, dass es heißt, Miyazaki hätte die Landschaft in diesem Film Yakushima nachempfunden? Nicht, dass das ein Grund für mich gewesen wäre, nach Yakushima zu fahren :D ). Naja, nach ein paar Minuten (Juhuu, ich konnte Pause machen!) ist das Reh dann von selber abgezogen, und ich konnte weiterlaufen. Bald darauf kam ich dann auch an der ersten Berghütte auf 1400 Metern an - da war es gerade mal Ein Uhr. Dort habe ich auch die ersten anderen Leute getroffen, die ebenfalls zum Wandern unterwegs waren.
Ursprünglich wollte ich in dieser Hütte übernachten, aber da ich den ganzen Nachmittag noch vor mir hatte und Angst vor Regen am nächsten Tag (auf 2000 Metern ohne Regenmantel ist es wahrscheinlich verdammt ungemütlich) habe ich mich aufgemacht, die nächste Hütte zu erreichen. Da bin ich dann auch schon gegen Vier angekommen, die war nicht so furchtbar weit entfernt.
Am nächsten Morgen bin ich wieder so früh raus, um den höchsten Punkt Yakushimas, den Miyanoura-Dake zu besteigen. Auf dem Weg dorthin habe ich dann auch realisiert, warum ich am Vortag schon um so früh an meinem Ziel angelangt war: aus irgendeinem Grund bin ich wesentlich schneller unterwegs gewesen als alle anderen Wanderer; ich habe mehrere überholt, und eine halbe Stunde später konnte ich von oben auf sie herabblicken:Demnach war ich auch ziemlich bald auf 1800 Metern angelangt, auf denen sich der Weg entlangschlängelte. Auf dieser Höhe hatte es ein paar prima Felsformationen, folgende ist extra für den Tobi festgehalten worden (nicht Jugendfrei!):
Sprrrr....! Hehe, schmeck, schmeck!
Von da hat man übrigens auch das erste Mal das Meer wiedergesehen, klasse Blick: Ein paar anstrengende Kilometer später bin ich dann auf Miyanoura-Dake angekommen. Zeit, ein paar lockere Bilder von mir selbst zu schießen! "Sick and wrong", wie Ron Stoppable jetzt sagen würde, aber hier ein Beispiel:
Man beachte die lockere Batman-Brille (nochmal Danke an Gerhard für die Mode-Beratung) und das lockere Kendo-Kopftuch. Wie man sehen kann, wehte einiges an Wind, daher musste ich da auch wieder meinen Pulli anziehen.
Noch ein weiteres, auf der anderen Seite vom Gipfel - da kann man prima die tolle Berglandschaft erkennen (Yeah, bin ich cool!): Und nicht vergessen, das alles auf einer Insel, die nur 25 km im Durchmesser mißt!
Auf dem Abstieg bin ich dann nochmal mehreren Rehen begegnet, vor denen hatte ich dann aber nicht mehr so viel Respekt.
Bald war ich auch schon wieder an meinem ursprünglichen Etappenziel angekommen, es war wiederrum gerade mal Eins. Da ich noch recht fit war, bin ich nach kurzer Pause weitermarschiert, um an der letzten Hütte vor dem Ende des Trails zu übernachten. Damit waren es für den letzten Tag dann nur noch 4 Kilometer (bergab), also kaum der Rede wert... aber meine andauernde Regenangst empfahl mir, dass es besser sei, soviel Weg wie möglich bei gutem Wetter zurückzulegen.
So kam ich ziemlich bald am Jomon-Sugi an, einer der größten Touristenattraktionen von Yakushima. Jomon-Sugi ist eine japanische Sicheltanne, die wohl älteste der Welt. 7200 Jahre hatte ich im Vorfeld gelesen - schon ganz beachtlich. Als ich dort ankam, wurde ich allerdings enttäuscht - 7200 Jahre schätzt man aufgrund der Stammdicke. Eine Altersbestimmung durch "wissenschafltiche Methoden" an einer dem Stamm entnommenen Probe lieferten bloß 2000 Jahre - stand so jedenfalls an einer Tafel neben dem Baum. Ist wohljedem selbst überlassen, was er glaubt... ein Foto habe ich aber natürlich trotzdem gemacht:Auf dem weiteren Abstieg ins Tal habe bin ich dann nochmal durch einen famosen Wald gekommen - mächtigste Bäume, moosüberwuchert... den Gerüchten um Yakushima als Pate zu Miyazakis Film darf Glauben geschenkt werden:
Am nächsten Morgen bin ich dann bis an die Küste abgestiegen. Und tatsächlich vielen da ein paar Regentropfen. War also nicht schlecht, dass ich mich an den beiden Vortagen so beeilt hatte, wobei mich das bisschen, was an diesem Morgen viel, wohl auch nicht umgebracht hätte.
Praktischerweise bin ich direkt an einem Onsen (heiße Naturquelle) rausgekommen - super, um meinen geschundenen Körper ein bisschen zu entspannen. Was für die Muskeln angenehm war, stellte sich für die Nase allerdings als unangenehm heraus - das Wasser war stark schwefelhaltig, ich roch nur noch faule Eier.
Nachdem ich mich genügend entspannt (und gewaschen!) hatte, bin ich noch nach Nagata gefahren, einem weiteren kleinen Dorf auf Yakushima. Dort hat es einen Strand, an dem jährlich Riesenschildkröten ihre Eier verbuddeln und man dann die Jungen dann beim Schlüpfen beobachten kann (in der richtigen Woche im Jahr). Ausserdem hatte man nochmal einen schönen Blick auf die Berge, die ich überquert hatte, mit Reisfeldern im Fordergrund:Und ohne Reisfelder:
Tja, und am Montag bin ich dann schon wieder nach Tokyo zurückgekehrt... Ich hatte noch ein bisschen Aufenthalt in Kagoshima, das habe ich mir bei der Gelegenheit noch ein bisschen angeschaut, bin sogar noch in ein Museum, das "Museum of the Meji Restauration". War aber nicht so spannend, die englischen Übersetzungen waren zu spährlich, und das bisschen, was übersetzt war, wusste ich sowieso schon.
Auf dem Heimflug (Acht Abends) konnte ich einen Fensterplatz ergattern - und hatte damit noch einmal die Gelegenheit, beim Landeanflug Tokyo von seiner schönsten Seite zu sehen - bei Nacht aus der Luft.
Labels: Japan

5 Comments:
wer spärlich mit h schreibt, ist gefährlich!
super bilder! sieht schon verdammt nett da aus. sogar noch ein stückchen schöner als in nikko. und respekt - das waren wohl nicht wenige höhenmeter! mit mir im schlepptau hättest du das nicht so schnell geschafft ;)
wie groß war denn da so ein "reh"?
heut geht´s uns gut und gleich rocken wir den Tunnel! a weizen tat mi reizen, aber unser zeuch is besser! für die icq-belästigung war chr. zuständig!!! miri is unschuldig!!!
na da wird man neidisch in Japan, hä??? bätsch, selbsch schuld!!!
Und, kamst du zu deinem deutschen Bier beim deutschen Abend???
Liebes Grüßle,
Miri
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