Yakushima & Deutschland
Hallo zusammen! Ich ringe mich mal eben dazu durch, Weiteres aus der letzten Woche zu berichten... obwohl ich schon wieder in Deutschland bin. Das frustriert mich dermaßen, dass ich fast unfähig bin, auch nur einen Finger zu rühren! Aber weil ich euch alle ja nicht auf dem Trockenen sitzen lassen will, zwinge ich mir jetzt etwas ab...
So... ich habe Gerhard also am Freitag Morgen des 19. in Shinagawa getroffen und wir sind nach einem leckeren Sandwich-Frühstück zum Flughafen getingelt. Nach einigem Hin- und Her (war nicht ganz leicht, einen Teil von Gerhards Gepäck am Flughafen zurückzulassen! Ausserdem hatte ich eine unheimliche Begegnung der dritten Art: Ich wollte aufs Klo, die Tür war nicht geschlossen, also trat ich ein: vor mir saß ein Japaner mit heruntergelassenen Hosen. Und dann habe ich die Tür nicht mehr zubekommen...) sind wir dann doch glücklich bis nach Kagoshima gekommen und haben in dem sehr lockeren Guesthouse "Little Asia" eingecheckt. Es war wieder so eine Art-Hippie-Kommune, wie damals vor zwei Jahren schon auf Okinawa, sehr locker. Eine ältere Dame (die "Mama") hat für alle Bewohner ein leckeres Abendessen gekocht, und wir konnten uns der Gesellschaft einfach nicht entziehen, deshalb kamen wir dann erst um halb zwei ins Bett, trotz angepeiltem 6:00-Aufstehen. Wir haben an diesem Abend unter anderem Kana kennengelernt, eine nette, wahrscheinlich 23 jährige (das Alter mussten wir raten) Tokyoterin, die sich von der Arbeit ein Jahr zum Reisen und abhängen freigenommen hat. Sie war so locker, sie trug sogar Baggies!
Am nächsten Morgen haben wir dann das Tragflügelboot (knapp 80 km/h mit 2x4000 PS) nach Miyanoura, der größten Ansiedlung auf Yakushima, genommen und uns dort erst mal mit einem Frühstück in einem Café versorgt:
Das macht den Wanderer fit: leckeres "japanisches" Frühstück mit Ei, Salat und Toast. Und nicht zu vergessen: Wienerle!
Dann sind wir aufgebrochen und hatten nach einer knappen Stunde den Anfang des Wanderweges, der uns in die Berge der Insel führen sollte, erreicht.
Farn, Farn und noch mal Farn. Auf der Autobahn! (Mann, habe ich heute einen Humor)
Dabei hat sich herausgestellt, das Gerhard der "bessere Japaner" ist: Keine drei Schritte vergingen, ohne dass er ein Foto machen musste. Er fand einfach "alles zu krass, muss festgehalten werden!"
Am späten Nachmittag kamen wir schließlich am Shiratani-koya an, unserer ersten Bleibe. Ich kannte sie ja schon von vor zwei Jahren, Gerhard war über den Zustand erst mal geschockt.
Wundervolle Betonwände und Toilettengestank machten es so richtig heimelig!
An diesem Abend, als wir schon "im Bettchen" lagen, machten wir auch erste Bekanntschaft mit Frau Maus, die wir aber irgendwann aus unserer Bleibe vertreiben konnten. Später in der Nacht fand Gerhard noch heraus, dass unser Zimmer auch von Mister Spinne bewohnt war. Dieser Herr war etwa handgroß und machte beim Laufen ziemlich laute Geräusche. Da Gerhard leichtes Unbehagen verspürte und nicht weiter schlafen wollte, stürzte ich mich heldenhaft mit Schuh in der Hand in die Schlacht und verpasste Mister Spinne eine Abreibung, die er bis an sein (baldiges) Lebensende nicht vergessen sollte.
Am nächsten Morgen um 5:30 gings dann auf die Hammertour: 12 Stunden laufen über den 2000 Meter hohen Gipfel des Miyanoura-Dake! Anfangs dachten wir noch, wir müssten diesen Plan aufgeben, denn es begann irgendwann zu regnen, was sich zu einem wahren tropischen Wolkenbruch ausweitete! Zusammen mit einstelligen Temperaturen war das wahrlich kein Spass! Als wir aber bei der nächsten Hütte ankamen, riss der Himmel urplötzlich auf und überschüttete uns mit goldenen, warmen Sonnenstrahlen, dass unsere nasse Kleidung bald nur so dampfte. Die Terrasse der Hütte teilten wir uns mit Affen und Rehen, die sich ebenfalls aufwärmen wollten:
Affen und Rehe fläzen sich in der Sonne auf unserer Terrasse!
Das Ganze steigerte unsere Lebensgeister doch erheblich, so dass wir uns doch nochmals auf den Weg machten. Und es hat lohnte sich: wunderbares Wetter, bester Ausblick, er wanderte sich fast von selbst!
So, wie die Blumen blühten, könnte man sich ja fast in den Alpen wähnen!

Unser Freund, der dicke Felsen, aka "fat rock". Typisch für Yakushima, es liegen dort oben lauter riesen Granitblöcke rum. Die Inselbwohner hielten diese früher für Wohnstätten der Götter. Heute vielleicht auch noch, wer weiß...
Uh oh, da müssen wir noch hoch!
Na, diesen Gipfel hätten wir mal hinter uns. Die Baumgrenze haben wir ja schon seit ein paar Metern hinter uns gelassen... leider folgt noch einiges an Steigung!
Zeit für ein Gruppenfoto kurz vor dem Gipfel! Wir hatten diesmal übrigens ausnahmsweise nichts getrunken, auch wenn es vielleicht so aussieht...
Video kurz vor dem Gipfel. Es hat leider solch starken Wind, dass man mich nicht versteht. Wie schade!
Abends kamen wir dann hundemüde an der Zielhütte an!
Am nächsten Tag war die Tour zwar wesentlich kürzer (8 Stunden), aber wir waren schon ziemlich mitgenommen, deswegen war es trotzdem hart. Genauso am 4. Tag. Ich war zu dem Zeitpunkt schon so fertig, dass ich aufgrund von Konzentrationsmangel ein paarmal fast abgestürzt wäre.
Gerhard hat sich seinen Fuß umgeknickt, zum Glück nicht so stark, so dass es nach kurzer Pause weitergehen konnte. Sonst hätten wir ein echtes Problem gehabt.
Am Abend des vierten Tages haben wir die Berge verlassen und in einer Jugendherberge an der Küste übernachtet.
Am Ende des langen und steinigen Weges... aber wir noch guter Dinge! Denn Dusche und leckeres Abendessen sind nicht mehr fern...
Gerhard am Abend auf dem wohlverdienten Futon bei seiner zweiten Lieblingsbeschäftigung (nach Fotografieren): Per Mail auf dem Handy Kontakt zu japanischen Mitmenschen halten. Blöd, dass die immer Kanjis benutzten und man sich dann fragt, was die da eben geschrieben haben!
Die Dusche und das anschließende Ofuro waren das Beste Erlebnis in meinem Leben!
Das Bad hatte ich am Ende echt nötig. Das Gute: Bei so viel Dreck auf dem Körper konnte man einfach keinen Sonnenbrand bekommen...
Leider fiel uns das Laufen dann sehr schwer, jeder Schritt wurde zur Qual. Daher waren wir fast ganz froh, dass es am nächsten Tag regnete und wir unseren ursprünglichen Plan, den Tag in den Onsen der Insel zu verbringen und in der Nacht zum Hafen zu wandern, aufgaben und mit dem Bus nach Miyanoura fuhren, um die Situation der Tragflügelboote abzuchecken. Die fahren bei schlechtem Wetter nämlich nicht! Auf der Nordseite der Insel hatte es dann zwar fast keinen Regen mehr, dafür heftigen Wind. Von einer pünktlichen Rückkehr waren wir aber empfindlich abhängig, weil ich ja meinen Rückflug von Tokyo aus erreichen musste. Deswegen entschieden wir uns, schon an diesem Mittwoch nach Kagoshima zurückzukehren. Am Hafen, bevor wir ins Schiff stiegen, trafen wir übrigens Kana noch mal und aßen mit ihr zu Mittag.
Die Überfahrt gestaltete sich sehr aufregend. Wellen, die etwa die Größe des Schiffs hatten, schüttelten uns ganz schön durch! Es dauerte auch nicht lange, bevor die ersten Passagiere auf dem Klo verschwanden und die Stewardess mit nassen Lappen unterwegs war... Es stellte sich übrigens heraus, dass unser Fenster nicht ganz dicht war, und wenn Wasser dagegen schlug (die Wellen waren ECHT hoch) lief es rein. Videobeweis:
Wir sind gerade dabei, den Hafen zu verlassen. Deswegen sehen die Wellen hier noch nicht so hoch aus...
In Kagoshima haben wir dann spontan noch mal im "Little Asia" übernachtet. Die waren zwar voll, aber wir durften auf dem Boden des Aufenthaltsraumes schlafen. Die haben uns extra Futons rausgelegt!
So sind wir am Mittag des des folgenden Donnerstages nach Tokyo zurückgegehrt. Beim Warten auf dem Abflug entwickelte sich noch ein interessantes Gespräch über "Klogänge", weil ich wieder eine japanische Toilette benutzten musste. Auf Details gehe ich nicht weiter ein...
Am Abend sind wir zusammen mit Joo noch ein letztes Mal in ein Izakaya gegangen. War lustig, weil das Bier an diesem Abend nur die Hälfte kostete. Das hat sich gelohnt, sage ich mal. Am nächstem Morgen ging es mir aber trotzdem wieder ganz gut, und Gerhard hat mich noch bis zum Flughafen gebracht. Tja, und jetzt bin ich wieder daheim... und fühle mich schlecht! Ich will wieder Urlaub in Japan machen!

4 Comments:
so, jetzt bin ich auch endlich wieder zuhause angekommen. nachdem christian nach deutschland los ist, habe ich das wochenende noch in tokyo verbracht und ein paar freunde besucht.
werde mich die tage mal an den nächsten blogeintrag machen und das ein oder andere ergänzen bzw. richtigstellen (von wegen, meine zweitliebste beschäftigung wäre das handy....!).
Ach so, sorry dass ich da was verwechselt habe. Natürlich ist Handy deine Lieblingsbeschäftigung, fotografieren nur deine zweite ;)
Waaaaa, die Beschreibung des Ausflugs klingt soooo gut!! Bin richtig neidisch :)
>_< was ist mit essen und schlafen? ich glaube, das mache ich beides lieber als fotografieren und mit dem handy rumspielen! ;p
rebecca, warte, bis ich noch ein paar fotos und videos vom wandern hochgeladen habe. dann kannste fast als japanerin durchgehen, so gelb wirst du vor neid werden!
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